gut gelandet – wie geht’s weiter?

vor dem Abflug in Manila – man beachte die Kleidung

Nach einer Nacht und einem Tag auf Flughäfen und im Flugzeug sind wir recht müde aber sonst gut angekommen, aus dem tropisch-schwülen Manila zurück ins herbstliche Frankfurt.

Ankunft in Frankfurt – s.o.


Am 29.11. sehen wir uns wieder zum Nachtreffen. Wir sind gespannt, wie es weitergeht, wie sich unsere Erfahrungen im weiteren Prozess der Kirchenentwicklung niederschlagen werden.
Robert

Moloch Manila – Die erste Etappe zurück in unsere Welt

Manilas Skyline in der Abenddämmerung

Morgendliches Bibelteilen: Lukas: Heilung der 10 Aussätzigen. Es geht um das Wunder der Heilung von 10 Leprakranken, Jesu Zuwendung zu den Ärmsten der Armen, den aus der Gesellschaft Ausgestoßenen. Es geht auch um die Dankbarkeit für unsere alltäglichen „Wunder“, unsere privilegiertes Leben. Eine Dankbarkeit, die wir allzu leicht vergessen.

auf der Dachterrasse von Maryhill

Letzter Tag vor dem morgigen Abflug. Zeit für Reflexionen, was hat uns am meisten berührt, was nehme ich mit für mich persönlich, für meine Pfarrei, für unser Bistum. Es geht um Begriffe, wie Community, Gemeinschaft; „shared vision“, geteilte Vision; Verknüpfung von Religiosität mit gesellschaftspolitischen Themen in der Amtskirche; Kultur einer partizipatorischen Kirche in unserem Bistum.

bei der Polonaise müssen alle mit – that’s community !

Vielen bleibt der persönliche Eindruck, in den Augen der Armen und der Jugend auf den Philippinen die Nähe von Jesus Christus gespürt zu haben.  In deren Fähigkeit zu Lachen,  zu Feiern und im schweren  Alltag offen dafür zu sein, was möglich ist.

Der Tag endet, wie so oft mit feiern, zunächst als Roof-top-cocktail und dann mit Oktoberfest mit Bier und Spanferkel.

die Philippinos fangen früh an mit Weihnachten …

Uns bleibt für zuhause eine Kultur des Träumens zu entwickeln und dabei mit den Füßen auf dem Boden bleiben:

Dream big
Start small
Go slow
Celebrate success

Beeindruckt, bereichert und ermutigt kehren wir nach Hause zurück, mit den Worten von Father Mark: „Es ist möglich. God bless you !“
Oswald

unterwegs mit Gott

Kontrastprogramm

Nach dem dichten „Exposure“-Programm der letzten Tage gönnen wir uns einen Tag Urlaub im Paradies. Von Iloilo, Boomtown und Hauptstadt von Panay, sind wir zur kleinen Insel Naburot übergesetzt. Uns erwartet eine kleine Bucht mit Sandstrand unter Palmen, drumherum zauberhafte Pavillons. Toni, der Besitzer (lebte in den 80ern einige Jahre in Deutschland), bewirtet uns mit seinem Team fürstlich, angefangen von einer Muschelsuppe – ich weiß nicht, ob ich jemals etwas so köstliches gegessen habe – bis zu heißen, knusprigen Bananensticks zum Nachtisch. Nicht zu vergessen das eisgekühlte San Miguel und diverse andere Getränke. Schnorcheln und die Unterwasserwelt bestaunen, Bootchen fahren, am Strand chillen, unter einem Dach aus Palmblättern im Trockenen sitzen, während ein tropisches Gewitter niedergeht, den glühenden Abendhimmel kontemplieren, dem Konzert der Zikaden, diverser Vögel , unsichtbarer Geckos lauschen … Auf einen Martinsumzug am Strand mit Petroliumlaternen und Father Marc als Martin hoch zu Ross auf Andreas mit anschließendem Absingen kölscher Karnevalslieder hätte ich verzichten können, aber gut, schließlich hatten wir gestern den 11.11.

Sonntag erlebten wir katholische Kirche auf den Philippinen von einer ganz anderen Seite. Im Iloilo Convention Center, einem neuen Glaspalast in der Nähe des Flughafens, fand der internationale YouCat-Kongress statt. (YouCat ist die Umsetzung von Papst Johannes Pauls Erwachsenenkatechismus in Jugendsprache.) Christliche Popmusik, tanzende Jugendliche, riesige Videowände, Ansprachen, die von PowerPoint-Folien und Videoclips begleitet werden. Der Kongress bildete eine Art Abschluss des Jahres der Jugend, das in der philippinischen Kirche gerade zu Ende geht, in Vorbereitung auf das 500-jährige Jubiläum der Christianisierung, das 2021 gefeiert werden soll. „Beloved – gifted – empowered“: Christen sind von Gott geliebt, mit Gaben, Talenten beschenkt und befähigt, mit Kraft, Energie, Selbstbewusstsein etwas in dieser Welt zu bewegen –  unter diesem Motto stand das Jahr der Jugend.

Einmal abgesehen davon, ob die Landung Maghellans 1521 tatsächlich nur Grund zum Feiern ist – die eigentlich gute Botschaft blieb hier, zumindest nach Meinung von einigen, leider auf halbem Weg stecken, beschränkte sich auf das Religiöse. Was sie konkret bedeuten könnte, in Bezug auf die großen Menschheitsfragen, auf die aktuellen Herausforderungen in den Philippinen, kein Wort dazu. Greta Thunberg und die Demokratieaktivist*innen in Hong Kong dienten nur als Deko für die fromme Botschaft. Die Verbindung von Glaube und Leben, ein zentrales Anliegen der BECs – Fehlanzeige. Diese Begegnung der ganz anderen Art gab in unserer Gruppe Stoff für hitzige Diskussionen.

was soll man davon halten?

Anschließend wieder in die normale Welt eintauchen, in der Pfarrei San Miguel vor den Toren der Stadt. Wieder leckerer Lunch (diesmal besonders zu erwähnen der pinkfarbene Dragonfruit-Saft), dann Austausch in Kleingruppen. Wir führen ein interessantes Gespräch über gesellschaftliche Veränderungen in den Philippinen und bei uns. Wir erzählen von den Schwierigkeiten, in einer individualisierten Gesellschaft die Menschen noch zu Begegnung und Austausch zusammenzubringen. Die Philippinas berichten, wie sich in der Generation Smartphone Lebensgewohnheiten und Kommunikation verändern, nicht nur zum Besseren.

wir stellen uns vor in San Miguel

Gewöhnungsbedürftig ist für uns die Initiative der BECs hier, unverheiratet zusammenlebenden Paaren eine Massentrauung anzubieten. Zum einen geht es natürlich um den kirchlichen Segen, dann aber auch um die Möglichkeit, für arme Menschen ein Hochzeitsfest auszurichten, das sie sich sonst nicht leisten könnten. Das erleben wir öfter, dass soziale Initiativen auch das Ziel haben, Menschen stärker an die Kirche zu binden. Unseren sozialpastoralen Ansatz, Menschen unabhängig von ihrer Kirchenbindung in den Blick zu nehmen, scheint es hier nicht so zu geben.
Robert

Christliche Basisgemeinden (BEC) at Work, Teil 2

Südsee-Feeling

Glücklicherweise kein Taifun, wie vor 6 Jahren, der vielen das Leben gekostet und fast allen viel Elend gebracht hat, sondern strahlend blauer Himmel und ein Bilderbuch-Sonnenaufgang über dem Meer, den ich auch dadurch genießen kann, dass mein Handy streikt und ich vor Sorge, zu verschlafen, schon vor 6 Uhr auf den Beinen bin.

am Bug Father Robert in der Pose des roten Korsars

Heute stand ein Besuch auf einer der kleinen Inseln vor  Estancia auf Panay, ca 2000 Einwohner mit einer sehr aktiven BEC auf unserem Programm. Vorher noch die Einladung zum, wieder einmal sehr gastfreundlichen Frühstück beim Pfarrer von Estancia.  Dann die Bootsfahrt, die schon für gute Laune sorgte, bestes Segelwetter mit vielen kleinen Inseln rundherum. Ein überwältigender Empfang am Strand, an den wir wider Erwarten, da Flut, trockenen Fußes gelangten: Viele Kinder, Jugendliche und Erwachsene, überwiegend Frauen, mit denen wir dann gemeinsam zur Kirche zogen, eine kleine, wie so oft, renovierungsbedürftige Kapelle. Nachdem sich jeder von uns kurz vorgestellt hatte, sollten wir uns unter die Filipinos/Filipinas mischen, um gemeinsam Gottesdienst zu feiern. Es gab, wie bei den BECs üblich zwei Besonderheiten: Der Leiter des Diözesanteams, Father Robert, eine beeindruckende Persönlichkeit mit langem Pferdeschwanz (angeblich lässt er sich aus Protest, seit Beginn der mörderischen Duterte-Regierung die Haare nicht mehr schneiden), zelebriert die Messe nicht und es gibt Gruppengespräche über das Evangelium anstatt einer Predigt.

Ich hatte das Glück mitten unter den Mädchen des Chores zu sitzen, Mädchen im Alter von 11 bis 22 Jahren, die mir von ihren Erfahrungen erzählen sollten, wie sich ihr Leben durch die aktive Teilnahme in der Basisgemeinde verändert hat. Es kommen Allgemeinplätze, wie: sie fühlen jetzt, dass sie ein guter Mensch geworden sind, in der Schule jetzt eifrig und fleißig sind und ihren Eltern Freude machen möchten. Aussagen, die ich auch in einer traditionellen evangelikalen Kirchengemeinde erwartet hätte. Es kommen dann aber auch Aussagen, teils mit Tränen in den Augen, wie: durch ihre Mitarbeit, die Akzeptanz und Unterstützung in der Gruppe hätten sie nun viel mehr Selbstbewusstsein gewonnen und trauten sich mehr zu. Die Freundschaften innerhalb der BEC hätten es ermöglicht, dass sie mit ihren Problem besser umgehen und diese auch lösen können. Ich bin, mal wieder, sehr beeindruckt, wie der Glaube diese Gemeinschaften trägt, Solidarität und Optimismus schafft, der positive Auswirkungen auf alle Lebensbereiche zu haben scheint.

die Kids tanzen die Hymne der Basisgemeinden

Der Gottesdienst wird richtig toll gefeiert, mit rhythmischen Liedern, Tanz der Jugendlichen und Gebeten in beiden Sprachen. Es wird gesungen und gelacht. Am Ende fühlen wir uns angenehm integriert und finden es schade, dass er nach 1 ½ h schon zu Ende ist.

Lunch am Strand – im Hintergrund der Friedhof

Danach wird, natürlich, wieder gegessen. Ein großes Buffet am Strand wird aufgebaut, an dem alle gemeinsam teilnehmen, bevor wir, nach einem kurzen Bad im Meer, dann die Rückreise, zunächst mit dem Boot, dann per klimatisiertem Minibus nach Iloilo antreten. Die Klimaanlage wissen wir nach wie vor sehr zu schätzen, an das feuchtwarme Klima haben wir uns auch nach einer Woche noch nicht gewöhnen können.
Oswald

Abschied von Bayas

BECs at Work

Reisfelder

Unsere Beiträge kommen jetzt etwas unregelmäßig, weil wir viel unterwegs sind und nicht an jedem Übernachtungsort WiFi haben.

mitreißender Empfang in Lemery

Nach der Anreise erhielten wir gestern Nachmittag durch das Diözesanteam der BECs eine Einführung in die Organisation und ihre Arbeit. Was mir hängen geblieben ist: Der Taifun „Yolanda“ (auf den Philippinen hat er einen anderen Namen) am 7. November 2013 verwüstete den nordöstlichen Teil von Panay, wo wir jetzt sind, großflächig. Häuser, Fahrzeuge, Fischerboote, alles war weg. Das BEC-Team, das damals dran war, die Idee der Basisgemeinden im Bistum neu zu propagieren, meinte, ein Jahr Arbeit sei umsonst; die Menschen brauchen jetzt keine BECs sondern Nothilfe. Doch dann machten sie bei ihren Gesprächen in den Pfarreien eine erstaunliche Erfahrung. Auf die Frage, was der Taifun nicht zerstört hatte, nannten die Menschen: unsere Gemeinschaft, unseren Glauben. Und man beschloss, mit der Wiederaufbauarbeit nicht bei dem, was zerstört war, zu beginnen, sondern bei den Ressourcen, die der Taifun nicht hatte zerstören können. Versammlungsorte wurden wieder errichtet, Treffen zum Bibelteilen und Beten, Organisationsteams und Bildungsteams gegründet. Aus der Kraft ihres Glaubens und ihrer Gemeinschaft wuchsen Initiativen zum Wiederaufbau, wurden (mit Unterstützung von missio) Genossenschaften gegründet, Fischerboote neu gebaut und vieles mehr. Im Rückblick, so meint Father Robert, war die Katastrophe von „Yolanda“ der eigentliche Neustart der BEC-Bewegung.

Heute konnten wir einiges davon live erleben: in Lemery, wo wir vor der Kirche von der Marching Band der Schule empfangen wurden mit einer mitreißenden Darbietung, die direkt in die Beine ging. Danach die obligatorischen „Snacks“. Was wir dann erlebten, gehört für mich zum bewegendsten dieser Reise: Mitglieder der Gemeinden berichteten von ihrer Arbeit. Einfache Frauen und Männer, die sich früher nicht getraut hatten, in einer Gruppe das Wort zu ergreifen, erzählten mit Stolz und Humor, aber auch sehr bewegt über ihre Arbeit mit einer selbstgestalteten 3-D-Karte ihres „Barangays“, über die Einrichtung des Genossenschaftsladens in der alten Kirche, wie die Basisgemeinde ihr Leben, auch in Ehe und Familie, verändert hat.

Im Coop-Laden tätigten wir anschließend den einen oder anderen Einkauf; besonders das Kokosöl, das wahre Wunder, vom Anti-Aging bis zur Gewichtsabnahme wirken soll, fand reißenden Absatz. Dann fuhren wir raus in die Pampa, in ein kleines Dorf, aber davon mehr im nächsten Beitrag.
Robert

Kirche der Armen, die den Armen hilft sich selbst zu helfen …

Halb Abreise, halb Aufbruch

Die Reise geht weiter …

Heute ist der letzte Tag, bevor wir uns der Exposure „aussetzen“. Nach dem morgentlichen Bibelteilen auf besondere Weise erhalten wir einen Überblick über die (Entwicklungs-) Geschichte der Basis Ecclesial Communities (BECs) und das Reifen des Konzepts der partizipativen Kirche durch die Erfahrungen in den „Barangays“ (Nachbarschaften) im Laufe der Jahre.

von einer Kirche im Zentrum zu einer Kirche der Teilhabe im Quartier

Es wird mir bewusst, dass diese lebendige, partizipative Art von Kirche nicht entstehen kann, wenn nicht der Mensch als Ganzes im Fokus steht, inklusive aller gesellschaftspolitischen Faktoren, nach dem Motto: „ein knurrender Magen verhindert die Besinnung auf das, was wirklich wichtig ist und konzentriertes Beten“.

Vielleicht einer der größten Fehler unserer Kirche in Deutschland: ihre selbstauferlegte Hemmung, sich zu gesellschaftspolitischen Fragen der Zeit kritisch zu äußern, und nur passiv und misstrauisch Initiativen und Strömungen in unser Gesellschaft zu beäugen. So verspielt man seine Glaubwürdigkeit und riskiert Bedeutungslosigkeit im Alltagsleben der Menschen.

Sundowner auf dem Dach von Maryshore

Wir werden eingestimmt auf den Besuch der BECs in den nächsten Tagen, Organisatorisches wird geklärt und dann Abschied von Maryshore gefeiert. Wir beginnen mit einem der vielen Gottesdienste, die alle eine persönliche und berührende Note haben, nicht zuletzt durch die charismatische Persönlichkeit von Father Mark, der es versteht, jedem Einzelnen von uns das Gefühl zu vermitteln, für ihn der/ die Wichtigste und Wertvollste zu sein.

Garnelen vom Grill – hmm !!!

Und dann wird wieder gefeiert. Zunächst mit einer Roof-Top-Sunset-Session mit bewölktem Himmel. ( Father Mark: „die Sonne geht unter, auch wenn man es nicht immer sehen kann“). Danach Barbecue im Strandpavillion, der Himmel weint, wir sind im Trockenen und San Miguel (das philippinische Bier) ist wie immer dabei. Wir werden Maryshore sicherlich vermissen. Andererseits sind wir alle sehr gespannt, was uns in den nächsten Tagen begegnen wird. Wir ahnen, es wird nicht spurlos an uns vorübergehen.
Oswald

unsere Begleiter in Maryshore, hinten P. Marc Lesage, der Gründer von Bukal ng Tipan

Ausflug in die Berge

Nach einer schwülen Nacht hat es etwas abgekühlt. Ich genieße dieses Licht, diese Stimmung am frühen Morgen. Die Luft ist noch klar, aber im Westen, über der Nachbarinsel Panay, türmen sich schon wieder die Wolken auf, und die aufgehende Sonne bringt die Hitze zurück. Wie gestern wollen wir unser morgendliches Bibelteilen im offenen Pavillon im Park machen, doch dann beginnt es zu regnen, ein Wolkenbruch geht nieder. Alili aus dem Bukal-Team sagt mir im Gang: „not outside but in the chapel!” Fünf Minuten vor Beginn hört es auf zu regnen, die Sonne scheint wieder, und wir treffen uns doch draußen. Das sind die Tropen. Das ist aber auch der Klimawandel. Vor einer Generation, so erzählt uns Alili, war um diese Zeit im November die Regenzeit zu Ende, und jetzt regnet es bis Weihnachten …

Nachmittags unterbrechen wir unser Seminarprogramm für einen Ausflug in die Berge. Im offenen Jeepney geht es wieder die Route entlang, die wir schon kennen: durch Bacolod (560.000 Einwohner), über Land nach Murcia, dann in die Berge. Dichter, chaotischer Verkehr mit Fußgängern, Fahrrädern (mit Beiwagen), Mopeds, Rollern, Motordreirädern, PKWs, Jeepneys, Bussen, Pickups,  Zuckerrohrtransportern, schweren LKWs. Ich verstehe nicht, nach welchen Regeln das funktioniert. Die Fahrt ist nichts für ängstliche Menschen, im offenen Jeepney auch nichts für empfindlichere Gemüter: Fahrtwind, Lärm, Dieselgestank, Ruß, Schlaglöcher. Nach über einstündiger Fahrt bin ich froh, endlich aussteigen zu dürfen.

Im Mambucal Mountain Resort, am Fuß des Mount Kanlaon, einem immer mal wieder aktiven Vulkan und mit 2.465m einer der höchsten Berge der Philippinen, haben wir die Wahl: Schwimmen, wahlweise im Pool oder in heißen Schwefelquellen, Massage, Wandern. Ich entscheide mich für die Wasserfall-Wanderung. Mit zwei Guides, freundlichen jungen Männern, steigen wir einen schmalen Pfad hoch, durch den dampfenden Wald aus Mahagonibäumen, Riesenbambus, Bananen, anderen Bäumen und Pflanzen, die ich nicht kenne. Über Felsbrocken und Brettwurzeln, immer am Bach entlang, der manchmal dahinplätschert, sich in Becken staut oder über Felswände stürzt. Begleitet vom Zirpen der Grillen, dem Gesang der Vögel, dem Quaken der Frösche, die wir nicht sehen, vom Geschrei der Flughunde, die wie überdimensionierte Fledermäuse durch die Baumwipfel schweben. Am Ende bin ich schweißdurchnässt und spüre meine Beine, aber es hat sich gelohnt. Die Damen, die sich eine ganze Stunde lang massieren ließen, schweben im siebten Himmel, konnten gar nicht genug   bekommen …

Für die Rückfahrt entscheide ich mich für die Luxusvariante: Kabine mit Fensterscheiben, gepolsterten Rückenlehnen und Klimaanlage. Das ist auch gut so, denn kurz vor der Ankunft in Bukal geht ein weiterer Wolkenbruch nieder, die Passagiere im offenen Jeepney sind innerhalb von Sekunden klatschnass.
Robert

Tag der Visionen

alle inhaltliche Arbeit beginnt mit Bibelteilen

Nicht träumen für die Menschen, sondern mit den Menschen träumen.
Die Vision für eine partizipatorische Kirche. Sie beginnt mit der Einbeziehung der Menschen mit ihren alltäglichen Problemen und Erwartungen an die Kirche. Auf den Philippinnen gehören neben dem Religiösen gleichermaßen Themen auf dem ökonomischen, sozialen, politische und Umweltsektor. Die Kirche sieht sich als der Ort, an dem alle Lebensbereiche gleichermaßen ihren Platz finden.

Und es ist ein langer, gut strukturierter Prozess, den die Experten von Bukal ng Tipan beschreiten, um philippinische Bistümer auf dem Weg zu einer partizipatorischen Kirche zu begleiten. Am Anfang steht, auf der Basis einer repräsentativen Befragung aller Menschen des Bistums eine Vision für die Arbeit und Schwerpunkte der nächsten 3-4 Jahre zu entwickeln. Eingeschlossen werden alle Ebenen von der Ortsgemeinde über die Pfarrei bis zum Bistum und wieder zurück.

Wir spielen den Prozess am Beispiel von St. Marien in Frankfurt in Teilen durch. Das ist spannend und lässt unsere Fantasie von lebendiger Gemeinde aufleben. Leider sind die Erfahrungen von Bukal ng Tipan aber nicht übertragbar.

In unserer individualisierten Welt in Deutschland ist das Religiöse streng getrennt von anderen Lebenswelten. Die Kirche in Deutschland hat diese Rolle offenbar akzeptiert und spielt daher nicht unbedingt eine Rolle für die Menschen in allen Lebensphasen. Sie ist nicht der akzeptierte und einflussreiche Anwalt der Einzelnen gegenüber den Mächtigen, wie hier auf den Philippinen, wo sie den Menschen Spiritualität und Selbstwertgefühl vermittelt.

der 6-fache Blick auf die Wirklichkeit von St. Marien

Am Beispiel von St. Ursula in Oberursel wird gezeigt, was trotzdem bei uns möglich ist. Dort wurde unter Beteiligung der lokalen Bevölkerung (und nicht nur der kleinen Gruppe der katholischen Kirchgänger und dem Plazet aller Ortsauschüsse) eine Vision entwickelt, die den Gemeinden als freiwillige Richtschnur für die zukünftige Gemeindearbeit dienen kann. Wir erfahren aber auch von dem langen, oft auch steinigen Weg mit Selbstzweifeln und Rückschlägen. Fazit: Man darf sich nicht entmutigen lassen. Risikobereitschaft und Mut, neue Wege zu beschreiten sowie mit Vertrauen auf den heiligen Geist lassen sich auch Dinge erreichen, die zunächst unerreichbar erscheinen.

Die Diskussion über unsere Visionen und die Möglichkeiten und Wege zur Realisierung in unseren Gemeinden setzt bei uns Energien frei, sodass wir heute Überstunden gemacht haben.

Das Thema wird uns glücklicherweise weiter begleiten. Mal gespannt was die nächsten Tage noch bringen werden.
Oswald

Bibel teilen – Brot teilen – Leben teilen

Mich bewegt noch unser Besuch in einer ländlichen Basisgemeinschaft, einige Kilometer außerhalb von Bacolod. Auf der Fahrt unterhalte ich mich mit Father R… (?) über seine Arbeit. Er wirkt auf mich sehr ruhig, fast ein wenig traurig. Er erzählt von seiner Versetzung in diese riesige Pfarrei, wovon er nicht begeistert war. Dass er in seiner vorherigen Pfarrei als „Kommunist“ ins Visier der Militärs geraten war und der Bischof ihn zum Aufbaustudium ins Ausland geschickt hatte, um ihn – im wahrsten Sinn des Wortes – aus der Schusslinie zu nehmen, erzählt er mir in seiner Bescheidenheit nicht. Er erwähnt seinen Kampf darum, genug Geld für die Pastoralarbeit zu bekommen, z.B. um KatechetInnen, die tragende Säulen des Gemeindelebens sind, wenigstens eine kleine Aufwandsentschädigung geben zu können. Ich denke an mein Gehalt als Pastoralreferent … Und dann diese große Klarheit, mit der er den von Oswald beschriebenen Prozess in Gang gebracht hat, hin zu einer Kirche der Beteiligung. Welche Ausstrahlung eine gerade mal 18-jährige Jugendleiterin hat, mit welchem Selbstbewusstsein der Leiter der Wort-Gottes-Feier am Altar steht –  hier bekommt das von uns so häufig benutzte Schlagwort von der „partizipativen Leitung“ Gesichter. Mich bewegen seine Ernsthaftigkeit und seine Freundlichkeit. Ich drücke ihm meine Hochachtung für seine Pionierarbeit aus, versuche ihn zu bestärken auf dem Weg, den er mit den Menschen in der Pfarrei eingeschlagen hat.

Die Wort-Gottes-Feier ist in enger Anlehnung an die Eucharistiefeier gestaltet. Das überrascht manche von uns zunächst, erklärt sich aber leicht daraus, dass den Mitgliedern der Basisgemeinde die traditionelle Liturgie vertraut und sehr wichtig ist. Nach dem Evangelium stellen sich die Menschen in Kreisen außerhalb der Kapelle zusammen. Anhand vorbereiteter Fragen übertragen die Teilnehmer das Evangelium auf ihr eigenes Leben, bringen es mit ihren persönlichen Erfahrungen zusammen. Es sind überwiegend einfache Menschen, Plantagenarbeiter, Kleinbauern und ihre Familien. Ihre Antworten zeugen von dem tiefen Glauben, dass Christus in ihr Leben eingetreten ist, dass er sie als Heiland in Lebenskrisen wieder aufrichtet.

Nach der Feier gibt es leckeres Fingerfood – ich weiß nicht, was ich da alles probiere. Der Bischof teilt an die Kinder die mitgebrachten Holzkreuze zum Umhängen aus, sie finden reißenden Absatz. Als wir den kurzen Fußweg – durch einen kleinen Bach, über Schlammpfützen und abgeschlagenes Zuckerrohr – zurück zu unserem Jeepney gehen, fühle ich mich reich beschenkt, oder um ein Wort aus unserer Bibelarbeit am Vormittag zu gebrauchen: Ich fühle mich gesegnet.

Es bleiben aber auch Fragen, die wir auf der Rückfahrt diskutieren: Welche Rolle spielen Frauen in den Basisgemeinschaften? Übernehmen sie auch in der Liturgie Leitungsverantwortung? Welchen Platz haben Theologen in diesem Gemeindemodell noch? Und verändern die Prozesse, die da in den Pfarreien angestoßen werden, auch in der Bistumsleitung etwas, oder bleibt dort alles beim Alten?
Robert

zu Besuch in einer Pfarrei

bitte einsteigen!

Heute wieder ein spannendes Gemisch von Theorie und Praxis, von Kopf und Herz.
Zu Beginn  die beruhigende Entlastung: Wir müssen nicht selbst die Wunder vollbringen, aber den Raum/die Möglichkeiten für Gott schaffen, diese zu tun, wie in Johannes 6 der kleine Junge mit den 5 Broten und den 2 Fischen, der Ausgangspunkt dafür, dass alle satt wurden.
Heute widmen wir uns den Versen 10-15 . Es geht um Segnen, Brechen, Austeilen, in seinen verschiedenen Aspekten:
Segen spenden, Segen erhalten, ein Segen sein;
Brechen, gebrochen sein, Widerstand brechen, aufbrechen;
Austeilen, Einstecken, Verteilen, Beschenken und beschenkt werden, beschenkt sein.  
Und dies erfahren wir durch gemeinsame Pantomime und  individuelles, chaotisches Zusammenspiel. Erstaunlich, wie spannend und inhaltsvoll aber auch sehr in die praktische Lebenswelt hineinreichend Bibelteilen sein kann.

vor der Kirche: Was erwartet uns heute?

Am Nachmittag erster Besuch einer Pfarrei mit Basisgemeinden.
Beeindruckend die Professionalität und der zentral dazugehörende Bezug auf die praktische Alltagswelt der Gemeindemitglieder. Ausgehend von der Entwicklung einer Vision wurden über die Partizipation der Gläubigen  daraus folgende Aktionen entwickelt. 17 Ehrenamtliche befragten bei Hausbesuchen und nach Gottesdiensten die Gläubigen zu wichtigen alltäglichen Themen und Problemen. In fast 2500 Antworten wurden neben religiösen Fragen auch ökonomische, soziokulturelle, politische und ökonomische Probleme aufgeführt. Gemeinsam sucht man nach Problemlösungen und legt Aktionen fest. Beeindruckend ist die Verbindung von Glaube und Alltagswelt. Die christliche Weltanschauung schafft Visionen und Ziele im Alltag. Der Glaube ermöglicht den Raum für Wunder, wie uns am Beispiel von Gemeinden auf Mindanao aufgezeigt wurde. Wie sie durch Empowerment über das Evangelium einen ungleichen und hoffnungslos aussehenden Kampf gegen die Abholzung ihrer Wälder und die Umweltzerstörung durch Großgrundbesitzer (in Kumpanei mit bestochenen Gerichten und Politikern) schließlich doch gewannen. Basiskirchengemeinden als Ort für den Entwurf von (realisierbaren) Träumen.

die Vision: eine hörende Kirche, gemeinsam unterwegs auf dem Weg zur Heiligkeit

Ein erfüllter Tag, und wie hier üblich umrahmt von ansteckender Freude und überschwänglicher Gastfreundschaft der Filipinos und Filipinas.
Oswald

die Pfarrjugend tanzt mit uns vor dem Altar