Ausflug in die Berge

Nach einer schwülen Nacht hat es etwas abgekühlt. Ich genieße dieses Licht, diese Stimmung am frühen Morgen. Die Luft ist noch klar, aber im Westen, über der Nachbarinsel Panay, türmen sich schon wieder die Wolken auf, und die aufgehende Sonne bringt die Hitze zurück. Wie gestern wollen wir unser morgendliches Bibelteilen im offenen Pavillon im Park machen, doch dann beginnt es zu regnen, ein Wolkenbruch geht nieder. Alili aus dem Bukal-Team sagt mir im Gang: „not outside but in the chapel!” Fünf Minuten vor Beginn hört es auf zu regnen, die Sonne scheint wieder, und wir treffen uns doch draußen. Das sind die Tropen. Das ist aber auch der Klimawandel. Vor einer Generation, so erzählt uns Alili, war um diese Zeit im November die Regenzeit zu Ende, und jetzt regnet es bis Weihnachten …

Nachmittags unterbrechen wir unser Seminarprogramm für einen Ausflug in die Berge. Im offenen Jeepney geht es wieder die Route entlang, die wir schon kennen: durch Bacolod (560.000 Einwohner), über Land nach Murcia, dann in die Berge. Dichter, chaotischer Verkehr mit Fußgängern, Fahrrädern (mit Beiwagen), Mopeds, Rollern, Motordreirädern, PKWs, Jeepneys, Bussen, Pickups,  Zuckerrohrtransportern, schweren LKWs. Ich verstehe nicht, nach welchen Regeln das funktioniert. Die Fahrt ist nichts für ängstliche Menschen, im offenen Jeepney auch nichts für empfindlichere Gemüter: Fahrtwind, Lärm, Dieselgestank, Ruß, Schlaglöcher. Nach über einstündiger Fahrt bin ich froh, endlich aussteigen zu dürfen.

Im Mambucal Mountain Resort, am Fuß des Mount Kanlaon, einem immer mal wieder aktiven Vulkan und mit 2.465m einer der höchsten Berge der Philippinen, haben wir die Wahl: Schwimmen, wahlweise im Pool oder in heißen Schwefelquellen, Massage, Wandern. Ich entscheide mich für die Wasserfall-Wanderung. Mit zwei Guides, freundlichen jungen Männern, steigen wir einen schmalen Pfad hoch, durch den dampfenden Wald aus Mahagonibäumen, Riesenbambus, Bananen, anderen Bäumen und Pflanzen, die ich nicht kenne. Über Felsbrocken und Brettwurzeln, immer am Bach entlang, der manchmal dahinplätschert, sich in Becken staut oder über Felswände stürzt. Begleitet vom Zirpen der Grillen, dem Gesang der Vögel, dem Quaken der Frösche, die wir nicht sehen, vom Geschrei der Flughunde, die wie überdimensionierte Fledermäuse durch die Baumwipfel schweben. Am Ende bin ich schweißdurchnässt und spüre meine Beine, aber es hat sich gelohnt. Die Damen, die sich eine ganze Stunde lang massieren ließen, schweben im siebten Himmel, konnten gar nicht genug   bekommen …

Für die Rückfahrt entscheide ich mich für die Luxusvariante: Kabine mit Fensterscheiben, gepolsterten Rückenlehnen und Klimaanlage. Das ist auch gut so, denn kurz vor der Ankunft in Bukal geht ein weiterer Wolkenbruch nieder, die Passagiere im offenen Jeepney sind innerhalb von Sekunden klatschnass.
Robert