Bibel teilen – Brot teilen – Leben teilen

Mich bewegt noch unser Besuch in einer ländlichen Basisgemeinschaft, einige Kilometer außerhalb von Bacolod. Auf der Fahrt unterhalte ich mich mit Father R… (?) über seine Arbeit. Er wirkt auf mich sehr ruhig, fast ein wenig traurig. Er erzählt von seiner Versetzung in diese riesige Pfarrei, wovon er nicht begeistert war. Dass er in seiner vorherigen Pfarrei als „Kommunist“ ins Visier der Militärs geraten war und der Bischof ihn zum Aufbaustudium ins Ausland geschickt hatte, um ihn – im wahrsten Sinn des Wortes – aus der Schusslinie zu nehmen, erzählt er mir in seiner Bescheidenheit nicht. Er erwähnt seinen Kampf darum, genug Geld für die Pastoralarbeit zu bekommen, z.B. um KatechetInnen, die tragende Säulen des Gemeindelebens sind, wenigstens eine kleine Aufwandsentschädigung geben zu können. Ich denke an mein Gehalt als Pastoralreferent … Und dann diese große Klarheit, mit der er den von Oswald beschriebenen Prozess in Gang gebracht hat, hin zu einer Kirche der Beteiligung. Welche Ausstrahlung eine gerade mal 18-jährige Jugendleiterin hat, mit welchem Selbstbewusstsein der Leiter der Wort-Gottes-Feier am Altar steht –  hier bekommt das von uns so häufig benutzte Schlagwort von der „partizipativen Leitung“ Gesichter. Mich bewegen seine Ernsthaftigkeit und seine Freundlichkeit. Ich drücke ihm meine Hochachtung für seine Pionierarbeit aus, versuche ihn zu bestärken auf dem Weg, den er mit den Menschen in der Pfarrei eingeschlagen hat.

Die Wort-Gottes-Feier ist in enger Anlehnung an die Eucharistiefeier gestaltet. Das überrascht manche von uns zunächst, erklärt sich aber leicht daraus, dass den Mitgliedern der Basisgemeinde die traditionelle Liturgie vertraut und sehr wichtig ist. Nach dem Evangelium stellen sich die Menschen in Kreisen außerhalb der Kapelle zusammen. Anhand vorbereiteter Fragen übertragen die Teilnehmer das Evangelium auf ihr eigenes Leben, bringen es mit ihren persönlichen Erfahrungen zusammen. Es sind überwiegend einfache Menschen, Plantagenarbeiter, Kleinbauern und ihre Familien. Ihre Antworten zeugen von dem tiefen Glauben, dass Christus in ihr Leben eingetreten ist, dass er sie als Heiland in Lebenskrisen wieder aufrichtet.

Nach der Feier gibt es leckeres Fingerfood – ich weiß nicht, was ich da alles probiere. Der Bischof teilt an die Kinder die mitgebrachten Holzkreuze zum Umhängen aus, sie finden reißenden Absatz. Als wir den kurzen Fußweg – durch einen kleinen Bach, über Schlammpfützen und abgeschlagenes Zuckerrohr – zurück zu unserem Jeepney gehen, fühle ich mich reich beschenkt, oder um ein Wort aus unserer Bibelarbeit am Vormittag zu gebrauchen: Ich fühle mich gesegnet.

Es bleiben aber auch Fragen, die wir auf der Rückfahrt diskutieren: Welche Rolle spielen Frauen in den Basisgemeinschaften? Übernehmen sie auch in der Liturgie Leitungsverantwortung? Welchen Platz haben Theologen in diesem Gemeindemodell noch? Und verändern die Prozesse, die da in den Pfarreien angestoßen werden, auch in der Bistumsleitung etwas, oder bleibt dort alles beim Alten?
Robert