Coming Home

die Mitte unseres Seminarraums mit „inthronisiertem“ Wort Gottes und biblischen Erzählfiguren

Heute und morgen stehen Exerzitien auf unserem Programm. Estela Padila, der Leiterin von Bukal ng Tipan, ist es sehr wichtig, dass dies keine Bildungs- sondern eine spirituelle Reise wird, dass wir unsere Erlebnisse nicht nur mit dem Kopf verarbeiten, sondern uns zu Herzen gehen lassen. Und das ist jetzt, nach zwei Tagen, schon sehr eindrücklich spürbar. Bei der Reflexionsrunde gestern Abend hatten viele einen Kloß im Hals, kämpften mit den Tränen. Schon dieses erste Eintauchen in die Lebenswirklichkeit armer Menschen ging uns unter die Haut.

Wie wird aus einer Menge eine Gemeinschaft?

In einer feierlichen Zeremonie, wie sie die Basisgemeinden auf den Philippinen praktizieren, „inthronisierten“ wir das Wort Gottes, hörten es und betrachteten es aus vielen Blickwinkeln. Die Speisung der 5000 nach Johannes wurde zum Angelpunkt für Fragen wie: Wo sehe ich mich in der Menge, die Jesus gefolgt ist? Wie erlebe ich in meinem kirchlichen Engagement, in meinem Leben Möglichkeiten, offene Räume und Grenzen; wie kann ich beides in Dialog miteinander bringen?

Grenzen überschreiten: Kirchliche Basisgemeinden als Brücken zwischen Kirche/Glauben und alltäglichem Leben

Zum Schluss feierten wir in der Hauskapelle (von wo man einen herrlichen Blick über den Park des Instituts auf das Meer und die Nachbarinseln hat) „The Sacrament of Coming Home“, das Sakrament des Heimkommens. Diese Form der Versöhnungsfeier hat Father Marc aus eigener frustrierender Erfahrung als Beichtvater entwickelt. Es geht darum, die Entfremdung von meinem innersten Selbst, dem Ort, wo ich Gott begegne, zu überwinden und an diesen Ort zurückzukehren. Bevor die beiden Priester jeder und jedem neu zusprechen, dass Gott uns bedingungslos liebt, knien sie nieder und lassen sich für ihren Dienst von der ganzen Gemeinde segnen. Genauso wichtig wie die Worte sind in dieser Liturgie die Gesten: das Handauflegen, das Wiederaufrichten, die Umarmungen. Es gab kaum einen, den diese Liturgie nicht zutiefst bewegt hat.
Robert